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Tirana - 1
Meine Strasse



Jetzt bin ich da. Und ich schaue über das alte Tirana hinweg auf die albanischen Berge und sie sind ganz nah. Wie alles. So, als ob ich nahtlos anschließe an die neun Tage aus dem Jahr 2015, was aber nicht stimmt. Obwohl wir auf dem Weg vom Flughafen zurück in die Stadt durch Straßen fuhren, die ich bereits kannte, so wie ich Alketa (sie leitet das Goethe-Institut hier) und Landi (den Fahrer) kannte, war nichts wie es war. Drei Jahre Tirana sind nicht drei Jahre München. Alles verändert sich schnell, wächst, boomt, modernisiert sich, alles will schöner, besser, europäischer werden, Gebäude, Cafes, Restaurants und klar: wird es. Irgendwie. Aber, sagte Alketa im Auto, vieles ist wie Du es kennst, den Roma geht es nicht besser, der Korruption auch nicht, die Arbeitslosenzahlen sind hoch und werden geschönt, und wie männlich das Land dominiert ist.  Same same. In der Wohnung empfangen meine Gastgeber, Arian und Silvana von POETEKA mich sehr herzlich, ich werde erwartet. Jetzt bin ich da. Jemand beobachtet mich vom anderen Balkon aus, die Wohnungs-Nachbarin, die sich in der Nacht nach dem Fernsehen (sic!) in einen heftigen Streit mit ihrem Kerl beissen wird, schaut skeptisch, als sie mich im Treppenhaus sieht. Ich sage "hallo" und sie sagt nichts. Ich tausche Geld wie in alten Zeiten, ich kaufe einen Stadtplan aus Papier, wie in alten Zeiten, in dem ich aber meine Strasse nicht finde, überhaupt hat er viel zu wenige Strassen, überhaupt stimmt da drauf nichts so richtig, finde ich, aber es ist egal. Auch wenn es meine Strasse auf dem Stadtplan nicht gibt, mag ich den Weg zur ihr hin, mag ich am Klinkerhaus um die Ecke biegen und denken: das ist jetzt meine Strasse. Hier wohne ich jetzt. Also gibt es sie. Das WLAN tut nicht, das erinnert mich an Indien. Das ist ein bisschen gemein von mir, weil als das WLAN in Indien nicht tat, war 2006. Und ich war Stadtschreiberin in Mumbai. Das WLAN tat dann aber immer wieder ganz gut. Als ich am Abend etwas essen gehe, fragt der Kellner, woher ich komme. Aus Deutschland, sage ich. Er jubiliert: DEUTSCHLAND. Warum er Deutschland so toll findet? Frage ich. Alles ist besser. Sagt er. Und vor allem meint er: Man macht dort Verträge für alles. Und dann klappt es. In Albanien sagt er, macht man Verträge und die gelten bis morgen oder gar nicht. Das albanische Internet ist viel besser ausgebaut als das Deutsche, hat mir jemand erzählt. Es sollte funktionieren, sagt der Techniker, der mich besucht, um es zu kontrollieren: In fünf Minuten. Oder in zehn.


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